Zusammenfassung
- Buy-and-Build beschreibt eine Wachstumsstrategie, bei der ein etabliertes Unternehmen als Plattform aufgebaut und durch gezielte Zukäufe erweitert wird.
- Für den fragmentierten Messebau kann diese Strategie interessant sein, weil viele mittelständische Spezialisten über wertvolle Kundenbeziehungen, Know-how und regionale Marktpositionen verfügen.
- Unternehmer erhalten durch Buy-and-Build neue Möglichkeiten für Wachstum, Nachfolge und langfristige Sicherung ihres Lebenswerks.
- Investoren sehen in spezialisierten Messebauunternehmen mögliche Plattformen für eine größere Unternehmensgruppe.
- Erfolgreiches Buy-and-Build bedeutet nicht nur Unternehmen zu kaufen, sondern Strukturen, Kulturen und Kompetenzen sinnvoll miteinander zu verbinden.
Der Begriff Buy and Build wird in der mittelständischen Wirtschaft zunehmend häufiger verwendet. Besonders in Branchen mit vielen kleineren und spezialisierten Unternehmen gilt die Strategie als möglicher Wachstumspfad.
Auch der Messebau rückt dabei stärker in den Fokus. Die Branche ist geprägt von zahlreichen inhabergeführten Unternehmen, regionalen Spezialisten und langjährigen Kundenbeziehungen. Gleichzeitig verändern Digitalisierung, Internationalisierung und steigende Kundenanforderungen die Rahmenbedingungen.
Deutschland verfügt über einen der weltweit bedeutendsten Messestandorte. Der Verband der deutschen Messewirtschaft AUMA weist auf mehr als 300 Messen pro Jahr und zahlreiche internationale Leitmessen in Deutschland hin.
Für Unternehmer stellt sich deshalb zunehmend die Frage:
Wie können erfolgreiche Messebauunternehmen langfristig wachsen?
Eine mögliche Antwort lautet: durch eine Plattformstrategie.
Was bedeutet Buy and Build einfach erklärt?
Die Grundidee hinter der Plattformstrategie
Buy and Build bedeutet übersetzt:
Kaufen und Aufbauen.
Die Strategie besteht aus zwei wesentlichen Schritten:
1. Buy – ein bestehendes Unternehmen erwerben
Zunächst wird ein sogenanntes Plattformunternehmen ausgewählt.
Dieses Unternehmen verfügt bereits über:
- Kunden,
- Mitarbeiter,
- Marktposition,
- operative Strukturen,
- Branchenwissen.
2. Build – durch weitere Zukäufe wachsen
Anschließend werden weitere Unternehmen integriert, die zusätzliche Kompetenzen oder Märkte erschließen.
Das Ziel:
Aus mehreren Einzelunternehmen entsteht eine größere Unternehmensgruppe.
Im Private-Equity- und Mittelstandsumfeld wird Buy-and-Build häufig genutzt, um fragmentierte Märkte zu konsolidieren und durch gemeinsame Strukturen Wachstumspotenziale zu erschließen.
Warum Buy and Build gerade für den Messebau interessant sein könnte
Eine Branche mit vielen spezialisierten Unternehmen
Der Messebau ist historisch stark mittelständisch geprägt.
Viele Unternehmen wurden über Jahrzehnte aufgebaut und verfügen über besondere Kompetenzen:
- kreatives Design,
- technische Umsetzung,
- eigene Produktion,
- Branchenkontakte,
- internationale Erfahrung.
Diese Spezialisierung ist ein großer Vorteil.
Gleichzeitig entstehen dadurch viele einzelne Anbieter, die jeweils nur bestimmte Teile der Wertschöpfung abdecken.
Ein Unternehmen kann beispielsweise besonders stark sein bei:
- Architektur und Gestaltung,
- ein anderes bei Logistik,
- ein weiteres bei internationalen Messeprojekten.
Eine Buy-and-Build-Strategie versucht, diese Kompetenzen zu verbinden.
Der Messebau zwischen Tradition und Transformation
Vom klassischen Standbauer zum ganzheitlichen Partner
Das Geschäftsmodell Messebau verändert sich.
Früher lag der Fokus vor allem auf:
- Konstruktion,
- Material,
- Produktion,
- Montage.
Heute erwarten Kunden zunehmend mehr:
- Markenstrategie,
- Erlebnisdesign,
- digitale Lösungen,
- nachhaltige Konzepte,
- internationale Umsetzung.
Die Messewirtschaft selbst beschäftigt sich zunehmend mit Themen wie Digitalisierung, KI und Nachhaltigkeit als zentrale Zukunftsfaktoren.
Für Messebauunternehmen bedeutet dies:
Die Zukunft gehört möglicherweise nicht nur den größten Anbietern, sondern den Unternehmen, die unterschiedliche Kompetenzen intelligent verbinden können.
Wie eine Buy-and-Build-Strategie im Messebau funktionieren könnte
Schritt 1: Ein starkes Plattformunternehmen auswählen
Am Anfang jeder Strategie steht ein Kernunternehmen.
Dieses sogenannte Plattformunternehmen sollte über bestimmte Eigenschaften verfügen:
- stabile Kundenbasis,
- erfahrenes Management,
- profitable Geschäftsstruktur,
- gute Reputation,
- Wachstumspotenzial.
Es bildet das Fundament der späteren Unternehmensgruppe.
Schritt 2: Spezialisten gezielt ergänzen
Nach dem Aufbau der Plattform werden weitere Unternehmen integriert.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Unternehmen zu kaufen.
Entscheidend ist die strategische Ergänzung.
Beispiele:
Regionaler Messebauer
Starke Kundenbasis in Süddeutschland.
Ergänzung:
→ Unternehmen in Norddeutschland.
Produktionsspezialist
Eigene Fertigung und technische Kompetenz.
Ergänzung:
→ Design- und Konzeptagentur.
Internationaler Spezialist
Erfahrung mit Auslandsmessen.
Ergänzung:
→ regional starke Messebauunternehmen.
So entsteht Schritt für Schritt eine leistungsfähigere Gruppe.
Warum einzelne Messebauunternehmen wertvolle Bausteine sein können
Kundenbeziehungen als wichtigstes Asset
Der Wert eines Messebauunternehmens entsteht nicht ausschließlich durch Maschinen, Hallen oder Produktionsflächen.
Besonders wertvoll sind:
- langfristige Kundenbeziehungen,
- Vertrauen,
- Referenzen,
- Branchenkenntnis.
Ein Unternehmen, das seit Jahren erfolgreiche Messeprojekte für namhafte Kunden umsetzt, besitzt einen schwer kopierbaren Wettbewerbsvorteil.
Mitarbeiter und Know-how als Wachstumskapital
Messebau ist eine wissensintensive Branche.
Erfolgreiche Unternehmen verfügen über Experten in Bereichen wie:
- Projektmanagement,
- Konstruktion,
- Design,
- Produktion,
- Montage.
Dieses Know-how kann innerhalb einer Gruppe multipliziert werden.
Welche Vorteile eine Unternehmensgruppe für Messebauer schaffen kann
Größere Kundenprojekte ermöglichen
Viele internationale Kunden suchen heute weniger einzelne Dienstleister, sondern umfassende Partner.
Eine größere Gruppe kann bieten:
- mehr Standorte,
- größere Kapazitäten,
- internationale Umsetzung,
- standardisierte Prozesse.
Gemeinsame Ressourcen nutzen
Durch eine Gruppenstruktur können Synergien entstehen.
Beispiele:
- gemeinsamer Einkauf,
- zentrale Digitalisierung,
- Marketingstrukturen,
- Personalentwicklung,
- internationale Netzwerke.
Wettbewerbsfähigkeit erhöhen
Ein einzelner Mittelständler steht zunehmend vor Herausforderungen:
- Fachkräftemangel,
- steigende Kosten,
- Digitalisierung,
- internationale Konkurrenz.
Eine Unternehmensgruppe kann mehr Ressourcen bereitstellen, um diese Themen strategisch anzugehen.
Buy and Build als Lösung für die Unternehmensnachfolge
Warum Nachfolge ein zentraler Treiber werden könnte
Viele Messebauunternehmen sind über Jahrzehnte inhabergeführt gewachsen.
Die nächste Herausforderung:
Die Übergabe an die nächste Generation.
Nicht immer gibt es:
- geeignete Familiennachfolger,
- interne Führungskräfte,
- langfristige Lösungen.
Eine Integration in eine Unternehmensgruppe kann eine Alternative darstellen.
Unternehmer behalten häufig mehr als nur einen Verkauf im Blick
Für viele Unternehmer geht es nicht ausschließlich um den Verkaufspreis.
Wichtige Fragen sind:
- Was passiert mit den Mitarbeitern?
- Bleibt die Marke bestehen?
- Werden Kunden weiterhin betreut?
- Wird der Standort erhalten?
Eine gut strukturierte Plattformstrategie kann diese Interessen berücksichtigen.
Was Investoren bei Buy-and-Build im Messebau analysieren
Marktposition
Bewertet werden unter anderem:
- regionale Stärke,
- Branchenfokus,
- Wettbewerbsposition.
Geschäftsmodell
Interessant sind Unternehmen mit:
- wiederkehrenden Kunden,
- planbaren Umsätzen,
- stabilen Margen.
Organisation
Eine wichtige Frage lautet:
Ist das Unternehmen unabhängig vom Eigentümer skalierbar?
Relevant sind:
- Management-Team,
- Prozesse,
- Digitalisierung.
Integrationsfähigkeit
Nicht jedes Unternehmen eignet sich für eine Gruppenstrategie.
Entscheidend ist:
Passt die Unternehmenskultur?
Können Prozesse gemeinsam weiterentwickelt werden?
Die größten Herausforderungen einer Buy-and-Build-Strategie
Unternehmenskulturen müssen zusammenpassen
Der Messebau lebt von Kreativität und persönlicher Zusammenarbeit.
Eine erfolgreiche Gruppe muss deshalb Balance schaffen:
zwischen:
- zentraler Organisation,
- unternehmerischer Freiheit.
Integration darf nicht zur Bürokratisierung führen
Ein häufiger Fehler bei Buy-and-Build:
Zu viele Strukturen werden eingeführt.
Gerade Mittelständler sind erfolgreich geworden durch:
- Geschwindigkeit,
- Kundennähe,
- Flexibilität.
Diese Eigenschaften müssen erhalten bleiben.
Wie eine moderne Messebau-Unternehmensgruppe der Zukunft aussehen könnte
Eine zukünftige Plattform könnte verschiedene Spezialisten verbinden:
Strategie & Design
Kompetenz:
- Markeninszenierung,
- Erlebniswelten,
- Architektur.
Produktion & Technik
Kompetenz:
- Fertigung,
- Systeme,
- Logistik.
Internationale Umsetzung
Kompetenz:
- weltweite Messeprojekte,
- Partnernetzwerke,
- lokale Umsetzung.
Digitale Experience
Kompetenz:
- digitale Inhalte,
- Besucherinteraktion,
- Datenanalyse.
Gemeinsam entsteht ein Anbieter, der weit über klassischen Messebau hinausgeht.
Welche Chancen Buy and Build für Unternehmer bietet
Wachstum ohne kompletten Neustart
Unternehmer können durch Partnerschaften neue Märkte erschließen, ohne alle Strukturen selbst entwickeln zu müssen.
Stärkere Position im Wettbewerb
Eine größere Gruppe kann:
- größere Kunden gewinnen,
- internationale Projekte übernehmen,
- Investitionen ermöglichen.
Langfristige Sicherung des Unternehmens
Gerade für Familienunternehmen kann eine Plattformstrategie eine Möglichkeit sein, das Lebenswerk weiterzuentwickeln.
Fazit: Buy and Build könnte den Messebau nachhaltig verändern
Buy and Build erklärt: Hinter der Strategie steht eine einfache Idee:
Nicht jedes Unternehmen muss alleine wachsen.
Durch die Kombination mehrerer Spezialisten kann eine stärkere Organisation entstehen, die Kunden umfassender betreut und neue Märkte erschließt.
Der Messebau bietet dafür interessante Voraussetzungen:
- viele spezialisierte Unternehmen,
- starke regionale Marktpositionen,
- wertvolle Kundenbeziehungen,
- Nachfolgeherausforderungen,
- steigende Anforderungen an Digitalisierung und Internationalisierung.
Die entscheidende Frage der kommenden Jahre könnte deshalb nicht nur lauten:
Welches Messebauunternehmen ist heute erfolgreich?
Sondern:
Welche Unternehmen schaffen es, gemeinsam eine neue Generation von Messebaugruppen aufzubauen?
